Eine stressfreie Methode zur Verabreichung von Wirkstoffen

© Marco Finsterwald

«Unser Projekt wird eine unmittelbare Auswirkung auf die 3R haben», ist Urs Meyer überzeugt, «da es entscheidend dazu beitragen wird, die Belastung von Nagern zu reduzieren und gleichzeitig die Forschungsqualität zu verbessern.»

  • Projektbeschrieb

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    Die meisten Medikamente werden heutzutage oral eingenommen, auch weil das besonders einfach ist (einfacher als zum Beispiel via Spritze). Entsprechend fokussiert auch die Entwicklung von Medikamenten oft auf die orale Einnahme. Das bedeutet, dass im Tierversuch die Wirkstoffe oral verabreicht werden müssen – ein Vorgang, der meistens durch die sogenannte orale Gavage erfolgt. Dabei wird der Wirkstoff mit Hilfe einer langen Sonde verabreicht, die meist bis in den Magen eingeführt wird. Die Prozedur hat leider einige Nachteile: Sie erhöht den Stress für die Tiere und gilt daher als Schweregrad 1 (leichte Belastung). Bei mehrmaliger Anwendung als Schweregrad 2 (mittlere Belastung). Sie kann zudem zu Schäden führen, etwa an der Luftröhre oder im Magenraum, und sie widerspiegelt nicht den gleichen physiologischen Prozess wie wenn die Tiere den Wirkstoff freiwillig schlucken würden. Auch für das Tierpflegepersonal ist die Prozedur oft belastend.

    Alternativen sind daher dringend gesucht. Das Team um Urs Meyer von der Universität Zürich hat in den vergangenen Jahren die sogenannte MDA-Methode entwickelt (micropipette-guided drug administration), bei der die Nager innerhalb von drei Tagen trainiert werden, den Wirkstoff freiwillig einzunehmen (mit Hilfe einer süssen Trinklösung). Die Nager lernen dabei, den Wirkstoff von der Spitze einer Pipette zu trinken. Die Methode ist non-invasiv, stressfrei für die Tiere, einfach zu erlernen und kostengünstig. «Unsere MDA-Methode gilt als Schweregrad 0, selbst bei mehrfacher Anwendung», erklärt Urs Meyer.

    Um diese Methode in den Versuchslabors breit einsetzen zu können, braucht es jedoch weitere Analysen und Validierungen (Vor- und Nachteile im Vergleich zur Standard-Methode der oralen Gavage). Diese Abklärungen werden im Rahmen dieses NFP-Projektes durchgeführt. So wird die MDA-Methode in verschiedenen Therapiegebieten getestet, etwa für die Aufnahme von neurologischen oder onkologischen Wirkstoffen.

    «Unser Projekt wird eine unmittelbare Auswirkung auf die 3R haben», ist Meyer überzeugt, «da es entscheidend dazu beitragen wird, die Belastung von Nagern zu reduzieren und gleichzeitig die Forschungsqualität zu verbessern, indem Stress und Schäden während der Untersuchung minimiert werden.»

  • Originaltitel

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    Minimising stress and harm for laboratory rodents in oral drug treatments using the micropipette-guided drug administration (MDA) method